Wort zum Sonntag – und nicht nur

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte Herr Sonnleitner, Präsident des deutschen Bauernverbandes: „Ich bin ein Christenmensch, für uns sind Tiere Geschöpfe Gottes. Ich habe dafür gekämpft, dass der Tierschutz Verfassungsrang bekommen hat.“ Auch Herr Sonnleitner hat gesagt (ich kann es nicht wörtlich wiedergeben, aber sinngemäß war das so): Hühner sind gesellige Wesen und lieben die Gesellschaft!

Das ist so sicher richtig, aber der Zusammenhang war die Frage nach seiner Einstellung zur Hühnerhaltung gemäß den gesetzlichen Vorgaben.  Hierbei gilt: Auf einem Quadratmeter Stallboden (100 x 100 cm!) erlaubt der Gesetzgeber die Produktion von 42 Kilogramm Fleisch – was etwa 22 bis 23 (!!) Tieren entspricht. Da muss man aber schon sehr „gesellig“ sein, Herr Sonnleitner.

Immer noch behaupten die Industriebauern, sie müssten so „produzieren“ um die Nachfrage in Deutschland zu decken. Tatsache ist, das, nach Aussage des „Kritischen Agrarberichtes 2012“, die deutschen Bauern auf dem Weg zu einer gewaltigen Überproduktion von Geflügelfleisch sind. Bundesweit seien Ställe für bis zu 36 Millionen Hähnchen geplant, schätzt der „Kritische Agrarbericht 2012“. Allein im Landkreis Emsland lägen Anträge für 11 Millionen Mastplätze vor. Um die bundesweite Nachfrage zu stillen, seien jedoch 3,2 Millionen neue Plätze ausreichend. Schon jetzt exportieren wir Hühnchen und Teile davon nach Afrika und entziehen mit unseren konkurrenzlos „günstigen“ Preisen dort den Kleinbauern die Ernährungsgrundlage.

Massentierhaltung zieht – neben dem absolut menschenunwürdigen Verhalten gegen über den Tieren – auch riesige Problem nach sich. Aktuell: Der flächendeckende Einsatz von Antibiotika – laut einer Studie der nordrhein-westfälischen Landesregierung werden bis zu 96 Prozent der Masthähnchen damit behandelt – ist nur eines davon. Aber auch hierzu hat Herr Sonnleitner eine Sonntagsrede in der Schublade: Es sei eine ethische Notwendigkeit (hier hat er also die Ethik entdeckt!),  Tiere, die krank seien, müssten therapiert werden, sagte Sonnleitner. „Alles andere wäre Tierquälerei.“ Und – so warnte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner : „Die Hälfte der Antibiotika, die bei Tieren eingesetzt werden, gehen in die Haustiere – Hund, Katze, Hamster…“.

Danke Herr Sonnleitner, wenn ich das nächste Mal meinen Hamster verspeise, werde ich daran denken…

Und hier zum Abschluss noch ein kleiner Filmbeitrag zum Thema.

Guten Appetit.