Erpresser

Die bayerische Sozialministerin (!) Haderthauer und der bayerische Innenminister Herrmann fordern harsch die Asylbewerber, welche in München für Ihre Rechte und die schnelle Asylantragsbearbeitung in den Hungerstreik getreten sind, auf, diesen Streik zu beenden und die Erpressung (!) einzustellen (siehe dazu die Süddeutsche vom 26.6.2013 bzw. den Münchner Merkur vom 27.6.2013).

Da fragt man sich doch, was für Pfeifen eigentlich bei uns Minister werden dürfen, wenn denen nicht einmal die gängigsten Begriffe klar sind und sie mit unflätigen Beschimpfungen um sich schmeißen, welche nur der Diffamierung dienen und dem Verschleiern der eigenen Unfähigkeit.

Laut Wikipedia versteht man unter Erpressung folgendes: Bei der Erpressung versucht ein Erpresser, sich selbst oder Dritte rechtswidrig durch Gewalt oder durch Androhung eines empfindlichen Übels zu Lasten eines anderen zu bereichern. Insofern ist die Erpressung von der Nötigung zu unterscheiden, die keine Bereicherungsabsicht oder Vermögensschädigung voraussetzt. Als rechtswidrig gilt die Tat, wenn die Zweck-Mittel-Relation zwischen der Nötigungshandlung, also der Gewalt oder der Drohung und dem angestrebten Nötigungszweck als verwerflich anzusehen ist.

Hier richtet sich das „Übel“ einzig und alleine gegen die sogenannten „Erpresser“.  Menschen, die bei uns keine Rechte haben, welche nicht wählen dürfen, keine Stimme haben, keine Lobby und schlicht und ergreifend auf der Flucht sind (selbst die Flucht vor Armut ist ja ein Grund, dem sich mal stellen sollte). Von Bereicherung kann ja kaum die Rede sein, denn „Reich“ wird ja bei uns etwas anders definiert, als in den Ländern, aus denen diese  Menschen kommen. Sie sind vielleicht reich an Erfahrung, benötigen jetzt aber jemanden, der Ihnen die Hand reicht und nicht diese polemischen Spitzfindigkeiten mit denen Politiker sich hierzulande den Tag vertreiben!

Und bitte nicht vom Geld reden! Wir verbrennen gerade Millionen für unnütze Wehrtechnik, verschenken über sogenannte Bankenrettungen Hunderte von Milliarden an Menschen, die wirklich Alles haben und uns – wenn man hier schon Erpressung thematisieren will – wohl eher erpressen, als diejenigen auf dem Rindermarkt!

Ist es nicht eher so, dass diese Politiker in ihrer Selbstgefälligkeit so weit gehen, das jedwede Kritik Mundtot gemacht werden soll, um ihr schönes Selbstbild nicht zu gefährden?

Sozialministerin – warum machen eigentlich bei uns alle Minister immer das Gegenteil von dem, was mit dem Titel als Aufgabengebiet umrissen wird. Sozial ist an dieser Verhaltensweise sicher nichts! Warum kümmert sich Frau Haderthauer nicht um diese Menschen, deren Unterkünfte und Bedürfnisse.  Warum zeigen sie (die Politiker) nicht Herz (und Verstand) und untermauern unser Selbstverständnis von Demokratie und „Willkommenskultur“ auch durch angemessene Taten? In den „Sonntagsreden“ wird immer „unterstrichen“, das man alle willkommen heißt, das man humanitäre Hilfe zur Verfügung stellt und menschenfreundlich ist. In der Realität ist unsere politische Spitze in Bayern und im Bund nicht mehr fähig menschlich zu kommunizieren. Es wird nur noch geknüppelt – physisch ganz real oder auch rhetorisch – Hauptsache es ist „Ruhe“ – bis hin zur Grabesruhe.
Wie ist denn die Einstellung unserer Politiker zu Hungerstreiks anderer? Wie wären Herrmann und Haderthauer denn wohl z.B. mit Ghandi umgegangen? Etwa wie Winston Churchill es geplant hatte (und der wohl sein Leben lang froh war, das es so nicht gekommen ist!)?
Ich plädiere für mehr Menschlichkeit, für Toleranz und die Einsicht, das man nicht über Menschen urteilen sollte, die man gar nicht kennt. Also Frau Haderthauer, Herr Herrmann: leihen Sie sich von Horst Seehofer die Rot-Kreuz-Jacke und machen Sie sich vor Ort ein Bild. Besuchen Sie die Asylantenunterkünfte. Überlegen Sie, wie lange Sie selbst so leben könnten, was die Menschen durchgemacht haben und wie wir sie behandeln. Sie repräsentieren uns Bürger und das sollten Sie mit Würde und Anstand tun! Arschlöcher laufen schon genug herum, da müssen Sie sich nicht bemühen…

Kann ein Hosenanzug den Charakter verderben?

Diese Frage kann man mit einem deutlichen „Ja“ beantworten – sofern ein Charakter vorhanden ist, welcher noch nicht den Bodensatz erreicht hat. Was will man noch verderben, wenn schon alles verdorben ist. Dennoch wirft diese Frage Fragen auf. Bei manchen Menschen spielt die Kleidung ja scheinbar gar keine Rolle. Denkt man hier z.B. an Ghandi. Der konnte auch im Lendenschurz Millionen Menschen überzeugen und tut es auch nach seinem Tot heute noch. Kaum jemand zweifelt an seinen guten Absichten und an seiner positiven Wirkung. Da kann einfach kein Hosenanzug mithalten.

Dennoch hat auch so ein Hosenanzug seine guten Seiten. Er verdeckt einfach vieles. In Zeiten wie unseren will man ja auch nicht mehr alles sehen. Es gibt einfach zu viel Leid,als das man es noch ertragen könnte.  Da wäre zwar Mutti im Lendenschurz keine übermenschliche Belastung, aber – nein! Außerdem hat so einen Hosenanzug wesentlich mehr Taschen als ein Lendenschurz, was ein wesentlicher Vorteil ist, wenn man moderner Politker(in) ist. Das Leben ist heute nicht mehr so einfach wie zu Ghandis Zeiten. Mutti kann nicht so einfach in den Hungerstreik treten (obwohl – na lassen wir das). Wenn man in Arabien dringend Panzer braucht um gegen den Pöbel ein wenig etwas zu unternehmen, muss man einfach handeln. Die Dinger müssen unters Volk. Bei uns wegen des Aufschwungs und in Arabien wegen der Menschenrechte. Das ist schwer zu erklären, aber – je nachdem, wer es erklärt – hat das ja auch was. Auch ein Scheich ist nur ein Mnesch. Es ist ja nicht so wie in Libyen. Dort ist der Fall ja wesentlich klarer – jetzt wieder oder noch nicht ganz, oder – ist ja eigentlich auch egal. Hauptsache das Öl läuft. Und das man mal seine Meinung ändert, ist ja nun auch nichts besonderes mehr. Das ist ja quasi schon Politprogramm. Und wenn es mal anders kommt – wir kennen ja die Schwachstellen unserer Panzer: der Spritverbrauch und die erhöhten Abgaswerte – also nichts wie weg damit!

Aber zurück zu den Taschen im Hosenanzug: Da kann man einiges verschwinden lassen. Man kann „es“ von einer Tasche in die andere transferieren, man kann sogar andere in die Tasche stecken oder sich die Taschen füllen! Wie, bitte schön, soll das im Lendenschurz gehen? Unsere Politikerinnen wissen schon, was sie tun. Auch wenn es derzeit nicht so aussieht. Ich bin sicher: das werden wir dann schon verstehen, wenn es zu spät ist. Und in diesem Fall ist ein Lendenschurz dann auch keine Lösung mehr – wir sind ja schon gestraft genug.