Doktorarbeit

Ich schreibe gerade an einer Doktorarbeit. Während ich noch nach passenden Vorlagen suche, höre ich im Radio einen Bericht über einen Adeligen, der sich – auf der Flucht vor Problemen in seinem Königreich – nach Afghanistan absetzt. Zum 9. Mal in 14 Monaten und immer mit der äußerst günstigen Steuerzahler-Airline (Flug nach Mallorca z.B. für nur knappe 50.000 Euro und mit nur 40 Tonnen CO2 Ausstoß). Er will sich somit aus der „Schusslinie“ bringen.  Wie sinnig! Hauptsache er dissertiert dort nicht. Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich mich totlachen. Aber was wird dann aus meiner Doktorarbeit? Also fleißig weiter gesucht. Ein Doktortitel ist für eine Karriere im obrigkeitsgläubigen Deutschland einfach unverzichtbar. Zwei Buchstaben (nicht Po) und ein Punkt reichen im Land der Dichter und Denker aus, um jedem was vormachen zu können. Da stellt sich das Vertrauen in Kompetenz und Ehrwürdigkeit des Titelinhabers quasi wie von selbst ein. Manchmal reicht ja selbst die Ehelichung eines Titelträgers zur Erlangung der Ehre (wobei die klassische „Frau Doktor“ ein Revier der Frauen bleiben wird!). Ehrlicherweise sei gesagt, dass die Eheschließung zumindest in irgendeiner Weise eine anständige Gegenleistung für den Titel darstellt, was beim Abschreiben nicht ganz so deutlich gesagt werden kann. Schon gar nicht, wenn das Abschreiben ein „Ghostwriter“ getan hat. „Geisterschreiber“ ist in diesem Zusammenhang auch gut, wenn man bedenkt, dass eine Doktorarbeit auch eine gewisse Präsenz von Geist voraussetzen soll… Hier gilt halt nicht, was in der Politik alltäglich ist: Einer schreibt die Reden, Einer trägt sie vor, Keiner hat sie zu verantworten. Nein – eine Doktorarbeit muss man komischerweise ganz alleine machen. Also kopiere ich noch ein wenig alleine weiter und wenn es  jemand merkt, sage ich halt, ich habe die Fußnote vergessen. Kann ja mal passieren…