Betthupferl

Es gibt ja immer wieder im Leben solche Momente, in denen man Erlebnisse seiner Kindheit wieder findet. Dazu tragen oftmals Gewohnheiten, Riten und Traditionen  bei. Diese zeichnen sich durch Langlebigkeit aus. Zumindest um so lange zu überdauern, bis man selbst den Schritt  von der Kindheit oder Jugend zum Erwachsensein getan hat und diese Gewohnheiten, Riten und/oder Traditionen seinerseits weiterleben lässt. Ob das der Opa ist, der mit eingeschäumten Gesicht zur Rasur schreitet (obwohl man selbst nicht einmal weiß, was da eigentlich und warum rasiert wird), der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee, welcher sich durch das Haus zieht und den Beginn des Tages ankündigt (obwohl man am Kaffee selbst noch gar keinen Geschmack gefunden hat) oder auch das Betthupferl. Diese täglichen Geschichten, welche entweder von den Eltern, Grosseltern oder anderen nahestehenden Verwandten am Bett erzählt werden, um die Kinder in den Schlaf zu geleiten. Oder auch die Betthupferl, welche schon seit 1953 in Bayern die Kinder per Radio zu Bett geleiten. Ich finde ja das Wort „Betthupferl“ schon so schön. In manchen Gegenden bezeichnet es eine kleine Süßigkeit, welche das verpönte Zubettgehen etwas versüßen und der pädagogischen Notwendigkeit auch eine positive Note verleihen soll.  Es wird aber auch als Synonym für eine „Gute Nacht Geschichte“ – ähnlich wie das legendäre „Sandmännchen“ des Ostens benutzt und diese wunderbaren Geschichten haben in einigen Familien die selbst erzählte“Gute Nacht Geschichte“ ersetzt. Sie vermitteln – alleine schon durch den Namen – ein Gefühl der Geborgenheit. Ich nenne es mal „Gemütlichkeit“ und setze es gleich mit einem kuscheligen Bett, der Erwartung einer entspannenden Nacht und der Sicherheit eines schützenden Daches im weitesten Sinne. Natürlich hat sich die Sendung im Laufe der Zeit gewandelt, wenn jedoch die Stimme des Sprechers oder der Sprecherin anhebt und es aus dem Lautsprecher tönt „Liebe Kinder! Jetzt kommt Euer Betthupferl…“ dann wendet sich mein Geist der Entspannung zu. Das und anderes würde ich meinen Kindern gerne erhalten – wie auch viele andere Traditionen, Riten und Gewohnheiten. Wenn es also kurz vor 20 Uhr ist, hören Sie ruhig mal rein… und pflegen Sie Ihre Riten, Gewohnheiten und Traditionen.