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2.März 2012 / Andreas Weingarten

Der See ist gerettet

geplante Einfahrt für Scuba-TraktorenWie es in den neuesten Verlautbarungen des bayerischen Ministeriums für Seekultur heißt, wurde auf Betreiben des bayerischen Ministrantenpräsidenten Seekofer die aktuelle Diskussion um die Wasserqualität des Waginger Sees neu entfacht. In Zusammenarbeit mit dem Institut für „Seen und Geseenwerden“ in Seeshaupt (oder Seekirchen?) wurde eine neue Konzeption entwickelt, in der es gelungen ist, die Interessen der Seeanlieger, der Landwirte und der Industrie übereinstimmend positiv zu vereinigen. Nicht nur wurde hier der große Wurf für die Lösung der anstehenden Seewasserqualitäts-Probleme gefunden. Nein, auch ein neuer Weg! Ein Weg mit ökologischer Basis zur Erweiterung der landwirtschaftlichen Nutzflächen wurde hier beschritten.
Realität ist derzeit, dass die erhöhten Einträge der Nährstoffe in das Oberflächenwasser und damit in den See zu vermehrtem Wachstum der Pflanzenwelt im See führen. Hierdurch kam und kommt es zur verstärkten Bildung von Algen und Pflanzen, welche die Qualität des Wassers mindern. Ab 2015 würde der See – aufgrund der europäischen Seenverordnung – als Badegewässer deshalb nicht mehr in Frage kommen.
Für den See gibt es derzeit – laut bayerischer Gemeindeverwaltung – keine andere Verwendung und eine generelle Entsorgung des Wassers und eine Umwidmung in Verkehrsflächen würde derzeit das Budget sprengen. Selbst Landkreis Lieblings-Minister MdB Ramsbauer konnte vor der nächsten Wahlperiode keinen Bedarf für einen Autohof oder dergleichen seen.
Gleichzeitig sucht die bayerische Landwirtschaft dringend – im wahrsten Sinn des Wortes – Beschäftigungsfelder, da der Anbau von Mais keine ausreichende Beschäftigung mehr bietet. Die bayerische Landwirtschafts-Berufsgenossenschaft BLBG warnt deshalb schon seit Jahren vor psychologischen Spätfolgen und seelischer Verarmung ihrer Mitglieder.
Die Lösung all dieser Probleme steht nun kurz bevor. Schon Ende 2012 sollen im Waginger See die ersten Exemplare der „Stellers“ Seekuh angesiedelt werden. Diese Seekuhart war kurz nach Ihrer Entdeckung, zur Jahrhundertwende, ausgestorben und bevölkerte früher die polaren Gewässer des Beringmeeres. Das „Seen und Geseenwerden Institut“ züchtete nun die ersten Nachkommen aus genetischen Funden wieder nach und stellt die Jungkühe nun kostenlos zur Verfügung. Seekühe ernähren sich vorwiegend pflanzlich, ihre Nahrung besteht aus Algen und anderen Wasserpflanzen. Sie brauchen etwa 90 Kilogramm pflanzliche Nahrung an einem Tag und sind im Schnitt täglich sechs bis acht Stunden mit Fressen beschäftigt.
Nach ersten Verlautbarungen sollen Landwirte, welche sich für das Projekt interessieren (hierzu bitte, wie gewohnt, die Anträge beim BLBG anfordern, in dreifacher Ausfertigung nach Brüssel schicken und entsprechend die begleitenden Kurse zur fachgerechten Ausfüllung der Formulare buchen und belegen), mit Fördergeldern der EU, welche aus dem Budget der Mutterschutzprogramme für Emigranten in den Gebieten der ehemaligen Ostzone abgezogen werden, gefördert werden.
Gedacht ist an eine umfassende Beweidung des Seegrunds durch die Seekühe. Weide-Parzellen im See werden nach Planquadraten vom Minister für Seekultur vergeben und den Landwirten zugeteilt. Das Ziehen der Zäune unter Wasser übernimmt die neu gegründete Abteilung des Maschinenrings (Aquanautic), welche sich hierzu bereits die mit Spezialtarifen im Steuerrecht ausgestatteten Scuba-Traktoren angeschafft hat (Tauchtiefe 45 Meter, 650 PS, Klima, Radio, Bordcomputer,…).
Auch die letzten kleinen Probleme sollen schon bald gelöst sein:
- So konnte bisher noch kein Schlachter gefunden werden, der die Kühe im Taucheranzug in seinen Bootsanhänger treiben kann
- die heimischen Landwirte (bald „Seewirte“) wollen sich nicht von Ihren gewohnten elektrifizierten Stacheldrähten trennen, auch wenn dies – leitungsmassig – zu Problemen mit den Badegästen führen könnte. Originalton „Des hamma aber oiwei scho so gmacht“
2013 schon werden – so die Pressestelle des Ministeriums für Seekultur – an die 250 Seekühe den Waginger See beweiden und so – neben der Vernichtung überschüssigen Pflanzenwachstums – für bestes Fleisch sorgen. Die Seewirte werden ihr Einkommen haben und die Tourismusindustrie jubelt bereits. „Cow-Watching am Waginger See“ wird der Renner unter den Attraktionen sein. Hier feilt man schon an Konzepten wie z.B. der, vom Burschenverband in Trachtenanzügen geruderten Aussichts-Galeere mit Catering (Schuhbecks feine See-Burger – aus Seekuhfleisch natürlich). Eine Win-Win-Win Situation für (fast) alle.

Dank unserer Volkspartei – Dank der SeeSU

28.Februar 2012 / Andreas Weingarten

tierischer Uebersetzungsfehler

Sie lieben die leisen Töne

Bei der Betrachtung eines der vielen, vielen Videos im Internet über das Wirken eines „Pferdeflüsterers“ wurde schnell deutlich, dass es sich bei dem Begriff „Pferdeflüsterer“ wohl um einen Übersetzungsfehler handeln muss.

Bei der Interpretation des Begriffs „Pferdeflüsterer“ ging ich intuitiv davon aus, dass es sich hier um jemanden handelt, der mit dem Pferd ganz leise spricht und umgeht. Unterschwellig hatte ich darüber hinaus stets angenommen, dass bei einer Behandlung dieser Art das Pferd wohlwollend und ruhig behandelt wird. Übertriebene Dominanz und autoritäres Gehabe, Macho- und Egotrips, Druck oder Gewalt tauchten in diesem Gedankenbild nicht auf.

Nun ist es aber so, das die Hauptakteure – meist zwei – in so einer Konstellation, zwei verschiedenen Gattungen angehören. Pferd und Mensch sind – was die Primär-Sprache angeht (und nicht nur dort) – sehr verschieden.

Bezieht man die Bezeichnung „Pferdeflüsterer“ rein auf die Lautäußerungen des Menschen, mag sie sogar zutreffend sein, wenn sie auch ein völlig falsches Bild erweckt. Der Mensch sagt in den dargestellten Handlungen meist nichts oder äußert sich nur sehr eingeschränkt während der Beschäftigung mit dem Pferd. Der Mensch hat – was eigentlich ja richtig ist – offensichtlich die Sprache gewechselt und versucht mit dem Pferd in dessen Sprache zu kommunizieren , im weitesten Sinne zu sprechen (oder „flüstert“ eben).

Die Art der Kommunikation, wie sie dann dort gelebt und ausgeübt wird, ist aber mit dem Ausdruck „Pferdeflüsterer“ in den allermeisten Fällen absolut unzutreffend, wenn nicht sogar komplett kontraproduktiv dargestellt.

Die pferdische Sprache ist in erster Ebene eine Gesten- und Körpersprache. So sind Haltung, Gesten, Zeichen sowie deren Ausführung in Bezug auf das gewählte Tempo, Größe und Höhe der Ausdruck der „Lautstärke“ in dieser Sprache. Große Gesten mit viel Höhe und heftiger Motorik sind in der Regel „LAUT“, horizontale ruhige, wenig große Bewegungen auch im körpernahen Bereich, defensives verhalten ist eher „leise“.

Die phonetischen Lautäußerungen des Pferdes sind eher sekundär. Pferde nehmen zwar Laute sehr gut wahr und vermögen kleinste Geräusche örtlich zuzuordnen, den Sinn unserer menschlichen Sprache kann man einem Pferd aber nicht verständlich machen. Einfache, gelernte Worte können einer Bewegung oder Sache oder einfachen Abläufen zugeordnet werden (beim Fahren oder der Arbeit am Boden wird viel mit Stimme gemacht und auch vom Pferd gelernt). Die Sprachmelodie, die Betonung und die Tonfrequenzen spielen hier auch eine – nahezu gleichbedeutende, wenn nicht größere Rolle (je nach Ausbildungsstand des Pferdes und des Menschen). Tiefe Töne sind meist beruhigend, schrille und unruhige Töne verursachen Nervosität beim Pferd (und bei mir).

Wenn einem das bewusst ist und man ein wenig von Pferden und deren facettenreicher und feiner Gebärdensprache weiß, sieht man die „Pferdeflüsterer“ plötzlich und leider meist sehr heftig von einer ganz anderen Seite. Da wird nämlich auf pferdisch nicht geflüstert sondern geschrien. Da wird nicht gebeten sondern gedroht. Da wird nicht erklärt sondern gescheucht.

Da versteht man dann auch als Laie, warum sich manche Menschen, die nicht nur leise reden sondern auch pferdisch wirklich flüstern, die Bezeichnung „Pferdeflüsterer“ nicht auf sich bezogen wissen wollen.

22.Januar 2012 / Andreas Weingarten

Jeder das, was er verdient

Go

Wulff sollte Bundespräsident bleiben. Nicht, weil er meiner Meinung nach einen so guten Job macht oder es keinen besseren gäbe. Nicht, weil ich ein Anhänger der Ein-Parteienlandschaft bin, wo Regierungspartei – Kanzler(in) – Bundespräsident – oberster Gerichtshof – relevante Stellen in der EU – relevante Stellen in allen Schaltstellen – etc. derselben Partei angehören sollen. Nicht, weil ich die Pressefreiheit abschaffen möchte.
Sondern, weil hier der Springerverlag mit seinen Medien, der „Bild“, „Die Welt“, „B.Z.“, „Berliner Morgenpost“ und „Hamburger Abendblatt“ etc. versucht, ein Exempel zu statuieren. So, wie sie sich selbstgerecht (und manchmal leider zu recht) als Kanzler-Macher verstehen, so möchten sie sich jetzt auch als letzte Instanz sehen, wenn es um Hop oder Top von Politikern geht – egal an welcher Stelle des Imperiums. Das sollte so nicht durchgehen.
Aber – und der Grund ist mir eigentlich noch wichtiger: Jeder bekommt, was er verdient.
Wir alle wählen – mehr oder weniger – unablässig und immer wieder Politiker aller Farben, obwohl wir wissen, dass sie von Lobbyisten regelrecht erlegt werden, obwohl wir wissen, das Geld und Macht Einfluss nehmen, wo immer es nur geht. Obwohl wir wissen, dass Deutschland in allen Bereichen nur noch minimal wirklich vom „Volkes Willen“ regiert wird. Obwohl wir wissen, dass die Politiker in extrem vielen Fällen für das „Geld“ entscheiden und nicht für das Wohl des Volkes, ja manchmal sogar bewusst und regelrecht gegen die Interessen des Volkes. Wer wäre da ein besserer Bundespräsident, als einer, der alle diese Spielarten des – ich nenne es mal – „legalen Betruges“ kennt und nutzt? Muss nicht vornedran jemand stehen, der das System bis in die letzte Ecke kennt? Wer sollte es denn sonst sein? Ein / Eine Unbescholtener / Unbescholtene ? Wer kann das sein? Und wie lange würde er / sie das aus- oder durchhalten? Jeder hat das, was er verdient…

21.Januar 2012 / Andreas Weingarten

Un Wort

Wort

Das Unwort des Jahres ist nun doch wieder ein Wort. Vermutlich leidet die Jury an demselben Problem, wie viele Gärtner. Auch diese schaffen es einfach nicht, das Unkraut aus dem Kreis der Kräuter auszuschließen. Andere sind da nun doch schon etwas weiter. Unbemannt ist tatsächlich ohne Mann, unbegabt ist ohne Begabung, unschön ist ohne Schön und unangenehm eben ohne angenehm. Aber es bleiben viele Fragen. Ist die UNkonvention dann ohne Konventionen und bedeutet unverfroren etwa warm?
Spaß beiseite: Unwort soll für Unerwünschtes Wort stehen. Das Wort “Döner-Morde” hat diese Auszeichnung 2011 “gewonnen” und man versteht auch sofort warum: es ist einfach unerwünscht, verharmlost und diffamiert. Was mir nicht so einfach verständlich wird: Über ein unpassendes Wort wird ziemlich viel geredet, aber die Hintergründe der Verstrickungen von Politik, Polizei und Geheimdienste werden nicht so offensiv diskutiert. Und das ist mir irgendwie unheimlich obwohl das alles heimlich ist!

21.Januar 2012 / Andreas Weingarten

Wort zum Sonntag – und nicht nur

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte Herr Sonnleitner, Präsident des deutschen Bauernverbandes: „Ich bin ein Christenmensch, für uns sind Tiere Geschöpfe Gottes. Ich habe dafür gekämpft, dass der Tierschutz Verfassungsrang bekommen hat.“ Auch Herr Sonnleitner hat gesagt (ich kann es nicht wörtlich wiedergeben, aber sinngemäß war das so): Hühner sind gesellige Wesen und lieben die Gesellschaft!

Das ist so sicher richtig, aber der Zusammenhang war die Frage nach seiner Einstellung zur Hühnerhaltung gemäß den gesetzlichen Vorgaben.  Hierbei gilt: Auf einem Quadratmeter Stallboden (100 x 100 cm!) erlaubt der Gesetzgeber die Produktion von 42 Kilogramm Fleisch – was etwa 22 bis 23 (!!) Tieren entspricht. Da muss man aber schon sehr „gesellig“ sein, Herr Sonnleitner.

Immer noch behaupten die Industriebauern, sie müssten so „produzieren“ um die Nachfrage in Deutschland zu decken. Tatsache ist, das, nach Aussage des „Kritischen Agrarberichtes 2012“, die deutschen Bauern auf dem Weg zu einer gewaltigen Überproduktion von Geflügelfleisch sind. Bundesweit seien Ställe für bis zu 36 Millionen Hähnchen geplant, schätzt der “Kritische Agrarbericht 2012″. Allein im Landkreis Emsland lägen Anträge für 11 Millionen Mastplätze vor. Um die bundesweite Nachfrage zu stillen, seien jedoch 3,2 Millionen neue Plätze ausreichend. Schon jetzt exportieren wir Hühnchen und Teile davon nach Afrika und entziehen mit unseren konkurrenzlos “günstigen” Preisen dort den Kleinbauern die Ernährungsgrundlage.

Massentierhaltung zieht – neben dem absolut menschenunwürdigen Verhalten gegen über den Tieren – auch riesige Problem nach sich. Aktuell: Der flächendeckende Einsatz von Antibiotika – laut einer Studie der nordrhein-westfälischen Landesregierung werden bis zu 96 Prozent der Masthähnchen damit behandelt – ist nur eines davon. Aber auch hierzu hat Herr Sonnleitner eine Sonntagsrede in der Schublade: Es sei eine ethische Notwendigkeit (hier hat er also die Ethik entdeckt!),  Tiere, die krank seien, müssten therapiert werden, sagte Sonnleitner. “Alles andere wäre Tierquälerei.” Und – so warnte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner : “Die Hälfte der Antibiotika, die bei Tieren eingesetzt werden, gehen in die Haustiere – Hund, Katze, Hamster…”.

Danke Herr Sonnleitner, wenn ich das nächste Mal meinen Hamster verspeise, werde ich daran denken…

Und hier zum Abschluss noch ein kleiner Filmbeitrag zum Thema.

Guten Appetit.

23.Oktober 2011 / Andreas Weingarten

Fossile Politik

Als “Fossil” bezeichnet man jedes Zeugnis vergangenen Lebens aus der Erdgeschichte. Klar, da gehört das Leben der letzten fünfzig Jahre auch dazu. Aber wenn man sich die Wandlungen der letzten Jahre betrachtet, kann man nicht umhin, zu bemerken, dass die Fossile nicht mehr so lange benötigen, wie früher, um wirklich alt aus zusehen. Politiker zum Beispiel, die nur den fossilen Brennstoffen und den damit verbundenen Techniken huldigen, werden sich – schneller als gedacht – in irgendwelchen Sammlungen der Zeitgeschichte wiederfinde. Die Kinder vor der Ausstellungsvitrine fragen dann mit großen Augen: “Haben die denn nicht lesen können? Auch 2011 gab es doch schon genügend Berichte, die das Ende der fossilen Brennstoffe vorgesehen haben?” “Doch”, sagt der Sammlungsleiter dann, “sogar genau, aber es war Ihnen wichtiger, Geld zu verdienen, ihre Macht zu behalten und eine kurze Zeit des Erfolgs. Und dann musste man ja noch die Reste der Atomenergie beseitigen. Das hat alles gekostet – vor Allem Zeit.” Tja – so wird es wohl kommen – wenn wir Glück haben.

Es ist eben einfach nicht zu verstehen, warum sich unsere Politik – oft sogar gegen die erbitterten Widerstände der Bevölkerung – in Projekten verbeißt, welche vermutlich vor der Fertigstellung schon durch die immense Treibstoffpreiserhöhungen, Rezessionen und Strukturwandel ad absurdum geführt werden. Warum z.B. sollen wir in Bayern am MUC II eine dritte Startbahn benötigen? Die Lufthansa und Air Berlin, die beiden größten Fluglinien Europas, bauen ihren Flugzeugbestand ab und gehen auf Sparkurs, weil die Passagierzahlen zurück- und die Treibstoffpreise unkalkulierbar hochgehen. Wer wird sich in zehn Jahren, wenn die dritte Startbahn fertig ist, denn noch einen Flug leisten können (oder wollen)? Vielleicht wäre es uns dann lieber, die Felder ständen noch zur Verfügung, um Lebensmittel anzubauen, denn den Import von billigen Lebensmitteln kann man mit steigenden Preisen beim Treibstoff auch vergessen. Und das die Preise steigen werden, ist unbestritten. Selbst wenn die Erdölförderung weiterginge wie bisher, wird der Weltbedarf für eine enorme Steigerung sorgen. Aber es ist klar, dass die Öl- und Gasreserven endlich sind. Kunststoffe und Medizin sowie die dringend nötige Versorgung von Fahrzeugen zur Lebensmittelproduktion und für Industrie und Handwerk werden weltweit den Löwenanteil des teuren Rohstoffes einfordern. Überflüssige Transporte, sowie z.B. der Schweinehälften von Holland nach Parma und zurück als Parma-Schinken in den Norden Europas und wieder zurück nach Süden über die Zentrallager der Discounter und wieder zurück in die Läden vor Ort, wird es dann einfach nicht mehr geben. Wozu also Autobahnen aufrüsten für den, simpel vom heutigen Stand der Dinge hochgerechneten, Bedarf von 2050, ohne auch nur ein einziges Mal daran zu denken, wer die Dinger denn dann noch benutzen soll. Gut, elektrisch kann man fahren, aber auch nur, solange Energie genug da ist. Wird zum Beispiel das Heizen oder Produzieren mangels Alternative auch auf elektrische Energie umgestellt, wird diese Energie nicht für den Standard von heute reichen – schon gar nicht, wenn auch andere Menschen unseres Erdballs daran teilhaben wollen.  Also sollten unsere “Fossis” mit aller Energie daran arbeiten, diesen Fahrplan für eine umfassende Energiewende auf die Reihe zu bekommen.  Und da kann es nicht heißen: “Mit was fahren wir dann?” Sondern es muss heißen: “Erstens <Sparen> und zweitens >alles auf den Prüfstand>. Welche durchschlagende Erfolge man beim Einsparen haben kann, zeigt z. B., auch das Buch von Ernst Ulrich von Weizsäcker, Karlson Hargroves und Michael Smith „Faktor Fünf“. Ohne wirklich auf wichtige und gewohnte Lebensstandards verzichten zu müssen, sondern eher noch mit einer Steigerung der Lebensqualität verbunden, wäre die 5-fache Ausnutzung des Energie- und Ressourcenpotentials möglich, wenn alle Register gezogen und all unser Wissen geschickt und intelligent genutzt würde. Dazu benötigen wir aber erst einmal die Lösung der Politik von der Klienten-Politik, vom Lobbyismus und der Wahnsinnsidee vom unbeschränkten Wachstum. Hierzu hat z.B. die ÖDP hervorragende Ansätze erarbeitet, die in jeder politischen Partei umgesetzt werden könnten. Fossile Energie – was war das gleich wieder? Ach ja: irgendwas mit C (über 80% CO), genau wie in den fossilen Parteien…

14.Oktober 2011 / Andreas Weingarten

Das Ende der Zeit…

Lebenswege

Zeit. Es wird ja viel spekuliert über die Zeit und wie man sie empfindet, beschleunigt, verlangsamt oder wahrnimmt, etc. Aber  das Ende der eigenen Zeit ist wohl erreicht, wenn man das Lebensende erreicht hat. Selbst Menschen, die an eine Auferstehung glauben, an ein „ewiges“ Leben, heben mit dieser Aussage ja die Gültigkeit der Zeitrechnung auf.  Was aber ist das Ende der Zeit für uns? Rein physikalisch betrachtet ja wohl der Anfang von etwas Neuem. Der Körper wird weiter im Kreislauf des Lebens verwendet. Er zerfällt und dient neuem Leben als Grundlage. Beim Geist aber haben wir die Möglichkeit, die Zeit über den Tod hinaus weiterlaufen zu lassen. Ideen, Anstöße, Werke, die man begonnen oder initiiert hat, „überleben“ uns vielleicht. Auch Taten bleiben oft im Gedächtnis anderer Menschen über unseren Tod hinaus und erreichen damit eine längere Lauf-Zeit als unsere eigene Lebenszeit. Erst wenn alle Erinnerungen verlöschen, unsere Ideen und Gedanken verschwimmen oder untergehen, dann ist die Zeit für uns abgelaufen. Gut, dass wir nicht wissen, wann das sein wird. Gut, dass wir die Chance haben, die Zeit zu verlängern. Einfach was tun…

9.Oktober 2011 / Andreas Weingarten

Betthupferl

Der Mond ist aufgegangen....

Es gibt ja immer wieder im Leben solche Momente, in denen man Erlebnisse seiner Kindheit wieder findet. Dazu tragen oftmals Gewohnheiten, Riten und Traditionen  bei. Diese zeichnen sich durch Langlebigkeit aus. Zumindest um so lange zu überdauern, bis man selbst den Schritt  von der Kindheit oder Jugend zum Erwachsensein getan hat und diese Gewohnheiten, Riten und/oder Traditionen seinerseits weiterleben lässt. Ob das der Opa ist, der mit eingeschäumten Gesicht zur Rasur schreitet (obwohl man selbst nicht einmal weiß, was da eigentlich und warum rasiert wird), der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee, welcher sich durch das Haus zieht und den Beginn des Tages ankündigt (obwohl man am Kaffee selbst noch gar keinen Geschmack gefunden hat) oder auch das Betthupferl. Diese täglichen Geschichten, welche entweder von den Eltern, Grosseltern oder anderen nahestehenden Verwandten am Bett erzählt werden, um die Kinder in den Schlaf zu geleiten. Oder auch die Betthupferl, welche schon seit 1953 in Bayern die Kinder per Radio zu Bett geleiten. Ich finde ja das Wort “Betthupferl” schon so schön. In manchen Gegenden bezeichnet es eine kleine Süßigkeit, welche das verpönte Zubettgehen etwas versüßen und der pädagogischen Notwendigkeit auch eine positive Note verleihen soll.  Es wird aber auch als Synonym für eine “Gute Nacht Geschichte” – ähnlich wie das legendäre “Sandmännchen” des Ostens benutzt und diese wunderbaren Geschichten haben in einigen Familien die selbst erzählte”Gute Nacht Geschichte” ersetzt. Sie vermitteln – alleine schon durch den Namen – ein Gefühl der Geborgenheit. Ich nenne es mal “Gemütlichkeit” und setze es gleich mit einem kuscheligen Bett, der Erwartung einer entspannenden Nacht und der Sicherheit eines schützenden Daches im weitesten Sinne. Natürlich hat sich die Sendung im Laufe der Zeit gewandelt, wenn jedoch die Stimme des Sprechers oder der Sprecherin anhebt und es aus dem Lautsprecher tönt “Liebe Kinder! Jetzt kommt Euer Betthupferl…” dann wendet sich mein Geist der Entspannung zu. Das und anderes würde ich meinen Kindern gerne erhalten – wie auch viele andere Traditionen, Riten und Gewohnheiten. Wenn es also kurz vor 20 Uhr ist, hören Sie ruhig mal rein… und pflegen Sie Ihre Riten, Gewohnheiten und Traditionen.

6.September 2011 / Andreas Weingarten

Paula und Ihre Erlebnisse

Während des Urlaubs im bayerischen Wald

Paula, Ihres Zeichens irischer Wolfshund und in unserer Familie für Eleganz zuständig, für die Gartengestaltung und die Freizeitplanung. Sie hat in den folgenden PDF Dokumenten ein paar Erlebnisse niedergelegt, welche Sie mit uns durchlebt hat . Das sind die ganz typischen Mensch-Hund-Geschichten, aber auch ein paar sehr ungewöhnliche Berichte. Die Sichtweise hat mich auch überrascht. Es sind nicht viele, aber scheinbar prägende Abenteuer, denn für die Niederschrift hat Paula sogar ihren Schlaf unterbrochen und die Mahlzeiten verschoben. Das kommt sonst nur sehr selten vor :)

Hier nun Ihre Berichte – auch mit vielen Fotos. Viel Spaß beim Lesen und: Bitte nicht Alles glauben, was Madam hier so schreibt:

Paula’s Welt im Juni 2008

Paula’s Welt im August 2008

Paula’s Welt September 2008

Paula’s Welt Februar 2010

Paula’s Welt Juni 2010

Paula’s Welt November 2010

Paula’s Welt August 2011

22.Juli 2011 / Andreas Weingarten

Respekt

Sonne in Afrika

Da sitzen die Spitzen unserer Politik zusammen und debattieren, wie Sie Banken und Anleger stützen, Fonds und Länder retten und verblasen Milliarden Euro in sinnlosen Projekten, die schlussendlich alle nur die Umverteilung der Mittel von unten nach oben bewirken. Aber keiner dieser Staatslenker samt Ihren Stäben schafft es, vorausschauend tätig zu werden, Hungersnöte im Keim zu erstocken, richtige Weichen zu stellen für das Überleben der Ärmsten in dieser Welt. Keine Statistik, kein Rettungsschirm, keine Schuldenoffensive, keine Fahrzeuge, Hubschrauber oder Schiffe stehen sofort zur Verfügung um Menschenleben zu retten. Natürlich ist mir das Regularium bekannt und ich weiß, das “man” sich nicht engagiert, wenn nichts zu holen ist. Aber es bringt mich in unheimliche Wut, diese Scheinheiligkeit untätig mit ansehen zu müssen.

Und dann –  innerhalb von 24 Stunden – schaffen es Privatleute, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Rentner, Arbeitslose, Angestellte, Firmen und Alleinverdiener, Hausfrauen und Geschäftsmänner in Bayern, also alle, die man so lapidar als “das Volk” bezeichnet, für Ostafrika über 3.000.000 Euro (7 Tage später sind es nun schon über 10.000.000 Euro !!) zu sammeln um mit Sternstunden e.V. und dem bayerischen Rundfunk in Afrika die Not zu lindern. Die Not, welche so dringend ist, wie kein anderes Thema, weil sie hunderttausenden das Leben kosten wird, wenn wir nichts tun. Dieses Engagement der Menschen gibt mir Hoffnung und neuen Schwung. Dieses gemeinsame Handeln, Teilen und Mitfühlen nötigt mir größten Respekt ab. Ich freue mich sehr darüber und sehe, das  man doch was bewegen kann. Es gäbe noch viel zu sagen, aber ich möchte es dabei beilassen.