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15.November 2014 / Andreas Weingarten

Pilze und Panik

die "Jungs"

Gestern, beim Putzen unseres Pferdes Löwenherz (Hengst, 1 Jahr und 7 Monate alt) sind uns viele kleinere und größere Pusteln im Bereich des Rückens und der Kruppe aufgefallen. Es waren da kleine Knoten um das Fell, direkt an oder über der Haut. An manchen Stellen konnte man die Haare einfach ausziehen und an manchen Stellen ging die Haut in kleinen Partien ab und es wurde eine offene Wunde sichtbar. Wir weichten die Knoten ein und bürsteten vorsichtig darüber, um vielleicht so die Knoten auszubürsten. Löwenherz war aber an manchen dieser Stellen schon etwas schmerzempfindlich. Da wir bei anderen Pferden schon mal Pilzbefall gesehen hatten, das gesehene (und gefühlte) hier aber keine Ähnlichkeiten mit dem bekannten Pilzbefall aufwies, wollten wir diese Diagnose erst mal ausschließen. Wieder zuhause bemühten wir unsere Bücher und das Internet, um irgendwo und irgendwie einen Tipp zu bekommen, um was es sich da handeln könnte und wie die Behandlung aussehen sollte. Viel konnten wir nicht finden außer Hinweise zu Pilzbefall und dem dann folgenden langwierigen Behandlungen.

Da Pilzbefall zumeist mit Juckreiz und Scheuern verbunden ist (Löwenherz hatte aber überhaupt keinen Juckreiz vermuten lassen und scheuerte sich auch nicht), Haarausfall, oft kreisrund beobachtet werden kann (die Haare sind aber nicht direkt von selber ausgefallen und schon gar nicht im runden Kreis), waren wir uns nicht sicher, was da auf uns und unseren armen Rottaler zukommt.

Heute haben wir das Pferd nochmals intensiver untersucht und systematisch nach Symptomen geforscht. Der Pilz stand wie ein Schreckgespenst über uns und wir haben vorsorglich schon einmal das gesamte Putzzeug desinfiziert und alles tiefgefroren um die evtl. Sporen zu vernichten. Auch eine Separierung von Löwenherz von seiner restlichen Gruppe hatten wir schon ins Auge gefasst, um die Stallkollegen nicht mit Pilzbefall zu beglücken (wenn es nicht schon passiert wäre…)

Nach stundenlanger Recherche im Internet stießen wir auf eine heutzutage eher selten gewordene Krankheit mit dem Namen „Regenfäule“. Da wir in einer Hypothese auch schon berücksichtigt hatten, dass Löwenherz als niedrigstes Rangmitglied einer Männer-WG manchmal etwas länger im Regen steht, als andere Pferde der Gruppe, sind wir über das Stichwort „Regen“ zu dieser Krankheitsbeschreibung gekommen und – siehe da – alle Symptome stimmen zu 100% überein:

–       Leitsymptome sind Krusten und Schuppen (über Schuppenbefall hatten wir uns letzttes Wochenende noch gewundert)

–       Die Krankheitserscheinungen treten überwiegend an den Gelenken der Beine und im Rückenbereich auf (wie bei Löwenherz).

–       Zunächst findet man kleine Knötchen in der Haut, die auch zu größeren Bereichen „zusammenfließen“ können. Die Haare lassen sich leicht ausziehen. Im weiteren Verlauf werden die Haare zunehmend von Exsudat (flüssige Absonderungen der Haut) verklebt. Es bilden sich Krusten, die der Haut zunächst fest anhaften. Wenn sich die Krusten nach einigen Tagen ablösen, zeigt sich darunter eine feuchte Wundfläche.

Die Ursache einer Dermatophilose (so heißt die Regenfäule heute!) ist eine Infektion der Haut mit dem Bakterium Dermatophilus congolensis. Unter bestimmten Umständen können solche Bakterien in die Haut eindringen. Dazu reichen Hautverletzungen z.B. durch Stacheln oder Dornen oder aufgeweichte Haut z.B. auf dem Rücken durch anhaltenden Regen (so wie bei Löwenherz, der das noch mit kleinen Bisswunden der Hengstrangeleien kombiniert!). Nach einigen Wochen wachsen die Haare meistens wieder nach. Im Bereich der Beine können jedoch haarlose Hautschwielen zurückbleiben (Infos von der Seite „enpevet“: https://www.enpevet.de/Lexicon/ShowArticle/41756/Dermatophilose – DANKE dafür!)

Na ja, von Glück wollen wir in diesem Zusammenhang nicht sprechen, denn unser Hengstchen ist ja noch nicht geheilt, aber so bleibt uns in jedem Fall die endlose Behandlung der Pilzchen erspart. Löwenherz bleibt die Trennung von seinen Freunde erspart und wir hoffen, mit der Schilderung vielleicht dem einen oder anderen Leser auch bei der Diagnose helfen zu können und sich so vielleicht eine unruhige Nacht zu ersparen!

Ach ja: das Ganze wird natürlich noch durch einen TA per bakterioligischer Untersuchung abgesichert! Denn Eigenrecherche schätzen wir sehr, aber der Doc hat bei uns als feste Instanz schon noch seinen festen Platz…

7.August 2014 / Andreas Weingarten

Der Klang der Pferde

Glocke mit Pferd

Wenn man als Mensch mit Pferden zusammen ist, sollte man sich dessen bewusst sein, dass jedes Zusammensein (ich vermeide hier das Wort „Arbeit“) beim Pferd einen Eindruck hinterlässt. Man hinterlässt Spuren und stößt etwas an. Das kann man vielleicht mit dem Berühren einer Glocke vergleichen. Ein leichtes, oberflächliches Berühren wird nur eine kleine Resonanz hervorrufen. Ein festes Anstoßen erzeugt einen lauten Klang. Das Repertoire ist unermesslich. Ob der Klang sauber und rein ist, hängt auch von der Beschaffenheit der Glocke ab. Hat diese einen Riss – z.B. durch heftiges Schlagen – wird man keinen schönen Klang und auch keinen lang anhaltenden, schönen Ton mehr hören können. Ist die Glocke aber von Grund auf gepflegt und versteht man die Resonanzen richtig zu erzeugen, wird man nicht aufhören, über die Töne, die man so bekommt, zu staunen. Und ist man eingespielt, wird man virtuos ein Glockenspiel in Gang setzen können, welches einem mehr gibt, als man jemals investiert hat. Das geht bei weitem über jedes einfache Echo hinaus (welches bekanntermaßen nicht mehr sein wird, als man hinein ruft).

28.Juni 2013 / Andreas Weingarten

Erpresser

Mahatma Gandhi

Die bayerische Sozialministerin (!) Haderthauer und der bayerische Innenminister Herrmann fordern harsch die Asylbewerber, welche in München für Ihre Rechte und die schnelle Asylantragsbearbeitung in den Hungerstreik getreten sind, auf, diesen Streik zu beenden und die Erpressung (!) einzustellen (siehe dazu die Süddeutsche vom 26.6.2013 bzw. den Münchner Merkur vom 27.6.2013).

Da fragt man sich doch, was für Pfeifen eigentlich bei uns Minister werden dürfen, wenn denen nicht einmal die gängigsten Begriffe klar sind und sie mit unflätigen Beschimpfungen um sich schmeißen, welche nur der Diffamierung dienen und dem Verschleiern der eigenen Unfähigkeit.

Laut Wikipedia versteht man unter Erpressung folgendes: Bei der Erpressung versucht ein Erpresser, sich selbst oder Dritte rechtswidrig durch Gewalt oder durch Androhung eines empfindlichen Übels zu Lasten eines anderen zu bereichern. Insofern ist die Erpressung von der Nötigung zu unterscheiden, die keine Bereicherungsabsicht oder Vermögensschädigung voraussetzt. Als rechtswidrig gilt die Tat, wenn die Zweck-Mittel-Relation zwischen der Nötigungshandlung, also der Gewalt oder der Drohung und dem angestrebten Nötigungszweck als verwerflich anzusehen ist.

Hier richtet sich das „Übel“ einzig und alleine gegen die sogenannten „Erpresser“.  Menschen, die bei uns keine Rechte haben, welche nicht wählen dürfen, keine Stimme haben, keine Lobby und schlicht und ergreifend auf der Flucht sind (selbst die Flucht vor Armut ist ja ein Grund, dem sich mal stellen sollte). Von Bereicherung kann ja kaum die Rede sein, denn „Reich“ wird ja bei uns etwas anders definiert, als in den Ländern, aus denen diese  Menschen kommen. Sie sind vielleicht reich an Erfahrung, benötigen jetzt aber jemanden, der Ihnen die Hand reicht und nicht diese polemischen Spitzfindigkeiten mit denen Politiker sich hierzulande den Tag vertreiben!

Und bitte nicht vom Geld reden! Wir verbrennen gerade Millionen für unnütze Wehrtechnik, verschenken über sogenannte Bankenrettungen Hunderte von Milliarden an Menschen, die wirklich Alles haben und uns – wenn man hier schon Erpressung thematisieren will – wohl eher erpressen, als diejenigen auf dem Rindermarkt!

Ist es nicht eher so, dass diese Politiker in ihrer Selbstgefälligkeit so weit gehen, das jedwede Kritik Mundtot gemacht werden soll, um ihr schönes Selbstbild nicht zu gefährden?

Sozialministerin – warum machen eigentlich bei uns alle Minister immer das Gegenteil von dem, was mit dem Titel als Aufgabengebiet umrissen wird. Sozial ist an dieser Verhaltensweise sicher nichts! Warum kümmert sich Frau Haderthauer nicht um diese Menschen, deren Unterkünfte und Bedürfnisse.  Warum zeigen sie (die Politiker) nicht Herz (und Verstand) und untermauern unser Selbstverständnis von Demokratie und „Willkommenskultur“ auch durch angemessene Taten? In den „Sonntagsreden“ wird immer „unterstrichen“, das man alle willkommen heißt, das man humanitäre Hilfe zur Verfügung stellt und menschenfreundlich ist. In der Realität ist unsere politische Spitze in Bayern und im Bund nicht mehr fähig menschlich zu kommunizieren. Es wird nur noch geknüppelt – physisch ganz real oder auch rhetorisch – Hauptsache es ist „Ruhe“ – bis hin zur Grabesruhe.
Wie ist denn die Einstellung unserer Politiker zu Hungerstreiks anderer? Wie wären Herrmann und Haderthauer denn wohl z.B. mit Ghandi umgegangen? Etwa wie Winston Churchill es geplant hatte (und der wohl sein Leben lang froh war, das es so nicht gekommen ist!)?
Ich plädiere für mehr Menschlichkeit, für Toleranz und die Einsicht, das man nicht über Menschen urteilen sollte, die man gar nicht kennt. Also Frau Haderthauer, Herr Herrmann: leihen Sie sich von Horst Seehofer die Rot-Kreuz-Jacke und machen Sie sich vor Ort ein Bild. Besuchen Sie die Asylantenunterkünfte. Überlegen Sie, wie lange Sie selbst so leben könnten, was die Menschen durchgemacht haben und wie wir sie behandeln. Sie repräsentieren uns Bürger und das sollten Sie mit Würde und Anstand tun! Arschlöcher laufen schon genug herum, da müssen Sie sich nicht bemühen…

9.Juni 2013 / Andreas Weingarten

Solidaritaet

Wenn unsere "großen Tiere" im Hochwasser auftauchen, wäre es schön, wenn sie die Klappe halten und mitarbeiten würden...

Solidarität ist kein Fremdwort – selbst in dem sonst so als „unterkühlt“ und „funktionsgesteuert“ bezeichnetem Deutschland.

Da stellen sich plötzlich tausende Studenten in den Dienst von völlig Unbekannten. Sie schaufeln, schuften und schaffen und generieren eine Studentenbewegung, welche selbst eingefleischten „ewig gestrigen“ die Tränen in die Augen treibt (einer von vielen Berichten darüber liest sich in der Süddeutschen so: Süddeutsche)

Da ruft eine Facebookgruppe des VFD (Vereinigung der Freizeitreiter & -fahrer Deutschland e.V.,  www.vfdnet.de) alle Pferdestallbesitzer auf, doch bitte dringend kostenlose Stellplätze für obdachlos gewordene Pferde der Flutopfer zur Verfügung zu stellen und es melden sich ad hoc (bis 6.6.2013) 800 (!!!) Plätze für 2 und mehr Pferde (hier zum Nachlesen in Facebook: www.facebook.com/groups/hochwassertiere/)

Und das sind nur zwei  Beispiele von vielen!!

Das finde ich so schön, das mir die „Wahl-Tourismusbesuche“ unserer Politiker nahezu „am Arsch“ (Entschuldigung, ab er das musste sein) vorbeigehen.

Ich würde mich jedenfalls bodenlos schämen, mich in einer BRK-Jacke ins Krisengebiet fliegen zu lassen (siehe Augsburger Zeitung), um dort halbseidene (quatsch: ganz seidene) Versprechen abzusondern, welche – laut Wahlberatung – ein paar Stimmen bringen könnten.

Sowohl Merkel als auch Seehofer und alle die anderen „Profi-teure“ hätten auf die Flüge verzichten sollen, dann wären schon mal ein paar 10.000 Euro in der Krisenkasse.

15.Februar 2013 / Andreas Weingarten

Lachen bis der Arzt kommt…

Rettungshubschrauber

Lachen bis der Arzt kommt

Eine oftmals missverstandene Floskel. Eigentlich eine gute Idee, aber auf dem Land kann man da ziemlich lange lachen. Hausarzt – kein Beruf mit Zukunft. Dank unseres mehrfach reformierten Gesundheitssystems liegt die Versorgung der Patienten und damit auch der Patient selbst danieder. Aber man sollte nicht zu früh urteilen, denn die Reformen haben genau das gebracht, was sie sollten. Milliardengewinne für unsere Chemiekonzerne. Im – wie immer wieder betont wird – ach so freien Wirtschaftsstandort Deutschland bestimmen einfach die Konzerne was z.B. Medikamente kosten. Und das kann durch aus schlicht 100% mehr sein, als im Nachbarland. Es wird geschmiert und betrogen, dass sich die Balken biegen (die biegen sich aber nicht vor Lachen!). Leider kann man da nichts tun (Aussage der Gesundheitsministerin, die bis heute noch nicht begriffen, hat, dass Sie nicht für die monetäre Gesundheit von Pharmariesen und Industrie zuständig ist – Zwischengruß an den Umweltminister, etc.). Kosten für die Gesundheitsvorsorge werden nicht erstattet, Kosten für Brillen, Hörgeräte, Zahnbehandlungen werden auf einen kaum mehr messbaren Basisteil reduziert, Zeit – der wichtigste Faktor bei der Behandlung von Menschen – wird einfach wegrationalisiert. Tür und Tor für esoterische „Behandlungen“ geöffnet, deren einziges wirksames Mittel die Zeit ist, die man dem Patienten widmet.

Na ja, aber Lachen ist doch gesund! Ein Argument, demzufolge der Arzt gleich zu Hause bleiben kann und lieber am Telefon noch einen Witz erzählt (hier ein Exemplar für leichte Krankheiten):

***  Zwei Kerzen stehen auf dem Tisch. Fragt die eine: „Ist eigentlich ein Windzug gefährlich?“ Sagt die andere: „Davon kannst Du ausgehen!“

2.März 2012 / Andreas Weingarten

Der See ist gerettet

geplante Einfahrt für Scuba-TraktorenWie es in den neuesten Verlautbarungen des bayerischen Ministeriums für Seekultur heißt, wurde auf Betreiben des bayerischen Ministrantenpräsidenten Seekofer die aktuelle Diskussion um die Wasserqualität des Waginger Sees neu entfacht. In Zusammenarbeit mit dem Institut für „Seen und Geseenwerden“ in Seeshaupt (oder Seekirchen?) wurde eine neue Konzeption entwickelt, in der es gelungen ist, die Interessen der Seeanlieger, der Landwirte und der Industrie übereinstimmend positiv zu vereinigen. Nicht nur wurde hier der große Wurf für die Lösung der anstehenden Seewasserqualitäts-Probleme gefunden. Nein, auch ein neuer Weg! Ein Weg mit ökologischer Basis zur Erweiterung der landwirtschaftlichen Nutzflächen wurde hier beschritten.
Realität ist derzeit, dass die erhöhten Einträge der Nährstoffe in das Oberflächenwasser und damit in den See zu vermehrtem Wachstum der Pflanzenwelt im See führen. Hierdurch kam und kommt es zur verstärkten Bildung von Algen und Pflanzen, welche die Qualität des Wassers mindern. Ab 2015 würde der See – aufgrund der europäischen Seenverordnung – als Badegewässer deshalb nicht mehr in Frage kommen.
Für den See gibt es derzeit – laut bayerischer Gemeindeverwaltung – keine andere Verwendung und eine generelle Entsorgung des Wassers und eine Umwidmung in Verkehrsflächen würde derzeit das Budget sprengen. Selbst Landkreis Lieblings-Minister MdB Ramsbauer konnte vor der nächsten Wahlperiode keinen Bedarf für einen Autohof oder dergleichen seen.
Gleichzeitig sucht die bayerische Landwirtschaft dringend – im wahrsten Sinn des Wortes – Beschäftigungsfelder, da der Anbau von Mais keine ausreichende Beschäftigung mehr bietet. Die bayerische Landwirtschafts-Berufsgenossenschaft BLBG warnt deshalb schon seit Jahren vor psychologischen Spätfolgen und seelischer Verarmung ihrer Mitglieder.
Die Lösung all dieser Probleme steht nun kurz bevor. Schon Ende 2012 sollen im Waginger See die ersten Exemplare der „Stellers“ Seekuh angesiedelt werden. Diese Seekuhart war kurz nach Ihrer Entdeckung, zur Jahrhundertwende, ausgestorben und bevölkerte früher die polaren Gewässer des Beringmeeres. Das „Seen und Geseenwerden Institut“ züchtete nun die ersten Nachkommen aus genetischen Funden wieder nach und stellt die Jungkühe nun kostenlos zur Verfügung. Seekühe ernähren sich vorwiegend pflanzlich, ihre Nahrung besteht aus Algen und anderen Wasserpflanzen. Sie brauchen etwa 90 Kilogramm pflanzliche Nahrung an einem Tag und sind im Schnitt täglich sechs bis acht Stunden mit Fressen beschäftigt.
Nach ersten Verlautbarungen sollen Landwirte, welche sich für das Projekt interessieren (hierzu bitte, wie gewohnt, die Anträge beim BLBG anfordern, in dreifacher Ausfertigung nach Brüssel schicken und entsprechend die begleitenden Kurse zur fachgerechten Ausfüllung der Formulare buchen und belegen), mit Fördergeldern der EU, welche aus dem Budget der Mutterschutzprogramme für Emigranten in den Gebieten der ehemaligen Ostzone abgezogen werden, gefördert werden.
Gedacht ist an eine umfassende Beweidung des Seegrunds durch die Seekühe. Weide-Parzellen im See werden nach Planquadraten vom Minister für Seekultur vergeben und den Landwirten zugeteilt. Das Ziehen der Zäune unter Wasser übernimmt die neu gegründete Abteilung des Maschinenrings (Aquanautic), welche sich hierzu bereits die mit Spezialtarifen im Steuerrecht ausgestatteten Scuba-Traktoren angeschafft hat (Tauchtiefe 45 Meter, 650 PS, Klima, Radio, Bordcomputer,…).
Auch die letzten kleinen Probleme sollen schon bald gelöst sein:
– So konnte bisher noch kein Schlachter gefunden werden, der die Kühe im Taucheranzug in seinen Bootsanhänger treiben kann
– die heimischen Landwirte (bald „Seewirte“) wollen sich nicht von Ihren gewohnten elektrifizierten Stacheldrähten trennen, auch wenn dies – leitungsmassig – zu Problemen mit den Badegästen führen könnte. Originalton „Des hamma aber oiwei scho so gmacht“
2013 schon werden – so die Pressestelle des Ministeriums für Seekultur – an die 250 Seekühe den Waginger See beweiden und so – neben der Vernichtung überschüssigen Pflanzenwachstums – für bestes Fleisch sorgen. Die Seewirte werden ihr Einkommen haben und die Tourismusindustrie jubelt bereits. „Cow-Watching am Waginger See“ wird der Renner unter den Attraktionen sein. Hier feilt man schon an Konzepten wie z.B. der, vom Burschenverband in Trachtenanzügen geruderten Aussichts-Galeere mit Catering (Schuhbecks feine See-Burger – aus Seekuhfleisch natürlich). Eine Win-Win-Win Situation für (fast) alle.

Dank unserer Volkspartei – Dank der SeeSU

28.Februar 2012 / Andreas Weingarten

tierischer Uebersetzungsfehler

Sie lieben die leisen Töne

Bei der Betrachtung eines der vielen, vielen Videos im Internet über das Wirken eines „Pferdeflüsterers“ wurde schnell deutlich, dass es sich bei dem Begriff „Pferdeflüsterer“ wohl um einen Übersetzungsfehler handeln muss.

Bei der Interpretation des Begriffs „Pferdeflüsterer“ ging ich intuitiv davon aus, dass es sich hier um jemanden handelt, der mit dem Pferd ganz leise spricht und umgeht. Unterschwellig hatte ich darüber hinaus stets angenommen, dass bei einer Behandlung dieser Art das Pferd wohlwollend und ruhig behandelt wird. Übertriebene Dominanz und autoritäres Gehabe, Macho- und Egotrips, Druck oder Gewalt tauchten in diesem Gedankenbild nicht auf.

Nun ist es aber so, das die Hauptakteure – meist zwei – in so einer Konstellation, zwei verschiedenen Gattungen angehören. Pferd und Mensch sind – was die Primär-Sprache angeht (und nicht nur dort) – sehr verschieden.

Bezieht man die Bezeichnung „Pferdeflüsterer“ rein auf die Lautäußerungen des Menschen, mag sie sogar zutreffend sein, wenn sie auch ein völlig falsches Bild erweckt. Der Mensch sagt in den dargestellten Handlungen meist nichts oder äußert sich nur sehr eingeschränkt während der Beschäftigung mit dem Pferd. Der Mensch hat – was eigentlich ja richtig ist – offensichtlich die Sprache gewechselt und versucht mit dem Pferd in dessen Sprache zu kommunizieren , im weitesten Sinne zu sprechen (oder „flüstert“ eben).

Die Art der Kommunikation, wie sie dann dort gelebt und ausgeübt wird, ist aber mit dem Ausdruck „Pferdeflüsterer“ in den allermeisten Fällen absolut unzutreffend, wenn nicht sogar komplett kontraproduktiv dargestellt.

Die pferdische Sprache ist in erster Ebene eine Gesten- und Körpersprache. So sind Haltung, Gesten, Zeichen sowie deren Ausführung in Bezug auf das gewählte Tempo, Größe und Höhe der Ausdruck der „Lautstärke“ in dieser Sprache. Große Gesten mit viel Höhe und heftiger Motorik sind in der Regel „LAUT“, horizontale ruhige, wenig große Bewegungen auch im körpernahen Bereich, defensives verhalten ist eher „leise“.

Die phonetischen Lautäußerungen des Pferdes sind eher sekundär. Pferde nehmen zwar Laute sehr gut wahr und vermögen kleinste Geräusche örtlich zuzuordnen, den Sinn unserer menschlichen Sprache kann man einem Pferd aber nicht verständlich machen. Einfache, gelernte Worte können einer Bewegung oder Sache oder einfachen Abläufen zugeordnet werden (beim Fahren oder der Arbeit am Boden wird viel mit Stimme gemacht und auch vom Pferd gelernt). Die Sprachmelodie, die Betonung und die Tonfrequenzen spielen hier auch eine – nahezu gleichbedeutende, wenn nicht größere Rolle (je nach Ausbildungsstand des Pferdes und des Menschen). Tiefe Töne sind meist beruhigend, schrille und unruhige Töne verursachen Nervosität beim Pferd (und bei mir).

Wenn einem das bewusst ist und man ein wenig von Pferden und deren facettenreicher und feiner Gebärdensprache weiß, sieht man die „Pferdeflüsterer“ plötzlich und leider meist sehr heftig von einer ganz anderen Seite. Da wird nämlich auf pferdisch nicht geflüstert sondern geschrien. Da wird nicht gebeten sondern gedroht. Da wird nicht erklärt sondern gescheucht.

Da versteht man dann auch als Laie, warum sich manche Menschen, die nicht nur leise reden sondern auch pferdisch wirklich flüstern, die Bezeichnung „Pferdeflüsterer“ nicht auf sich bezogen wissen wollen.

22.Januar 2012 / Andreas Weingarten

Jeder das, was er verdient

Go

Wulff sollte Bundespräsident bleiben. Nicht, weil er meiner Meinung nach einen so guten Job macht oder es keinen besseren gäbe. Nicht, weil ich ein Anhänger der Ein-Parteienlandschaft bin, wo Regierungspartei – Kanzler(in) – Bundespräsident – oberster Gerichtshof – relevante Stellen in der EU – relevante Stellen in allen Schaltstellen – etc. derselben Partei angehören sollen. Nicht, weil ich die Pressefreiheit abschaffen möchte.
Sondern, weil hier der Springerverlag mit seinen Medien, der „Bild“, „Die Welt“, „B.Z.“, „Berliner Morgenpost“ und „Hamburger Abendblatt“ etc. versucht, ein Exempel zu statuieren. So, wie sie sich selbstgerecht (und manchmal leider zu recht) als Kanzler-Macher verstehen, so möchten sie sich jetzt auch als letzte Instanz sehen, wenn es um Hop oder Top von Politikern geht – egal an welcher Stelle des Imperiums. Das sollte so nicht durchgehen.
Aber – und der Grund ist mir eigentlich noch wichtiger: Jeder bekommt, was er verdient.
Wir alle wählen – mehr oder weniger – unablässig und immer wieder Politiker aller Farben, obwohl wir wissen, dass sie von Lobbyisten regelrecht erlegt werden, obwohl wir wissen, das Geld und Macht Einfluss nehmen, wo immer es nur geht. Obwohl wir wissen, dass Deutschland in allen Bereichen nur noch minimal wirklich vom „Volkes Willen“ regiert wird. Obwohl wir wissen, dass die Politiker in extrem vielen Fällen für das „Geld“ entscheiden und nicht für das Wohl des Volkes, ja manchmal sogar bewusst und regelrecht gegen die Interessen des Volkes. Wer wäre da ein besserer Bundespräsident, als einer, der alle diese Spielarten des – ich nenne es mal – „legalen Betruges“ kennt und nutzt? Muss nicht vornedran jemand stehen, der das System bis in die letzte Ecke kennt? Wer sollte es denn sonst sein? Ein / Eine Unbescholtener / Unbescholtene ? Wer kann das sein? Und wie lange würde er / sie das aus- oder durchhalten? Jeder hat das, was er verdient…

21.Januar 2012 / Andreas Weingarten

Un Wort

Wort

Das Unwort des Jahres ist nun doch wieder ein Wort. Vermutlich leidet die Jury an demselben Problem, wie viele Gärtner. Auch diese schaffen es einfach nicht, das Unkraut aus dem Kreis der Kräuter auszuschließen. Andere sind da nun doch schon etwas weiter. Unbemannt ist tatsächlich ohne Mann, unbegabt ist ohne Begabung, unschön ist ohne Schön und unangenehm eben ohne angenehm. Aber es bleiben viele Fragen. Ist die UNkonvention dann ohne Konventionen und bedeutet unverfroren etwa warm?
Spaß beiseite: Unwort soll für Unerwünschtes Wort stehen. Das Wort „Döner-Morde“ hat diese Auszeichnung 2011 „gewonnen“ und man versteht auch sofort warum: es ist einfach unerwünscht, verharmlost und diffamiert. Was mir nicht so einfach verständlich wird: Über ein unpassendes Wort wird ziemlich viel geredet, aber die Hintergründe der Verstrickungen von Politik, Polizei und Geheimdienste werden nicht so offensiv diskutiert. Und das ist mir irgendwie unheimlich obwohl das alles heimlich ist!

21.Januar 2012 / Andreas Weingarten

Wort zum Sonntag – und nicht nur

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte Herr Sonnleitner, Präsident des deutschen Bauernverbandes: „Ich bin ein Christenmensch, für uns sind Tiere Geschöpfe Gottes. Ich habe dafür gekämpft, dass der Tierschutz Verfassungsrang bekommen hat.“ Auch Herr Sonnleitner hat gesagt (ich kann es nicht wörtlich wiedergeben, aber sinngemäß war das so): Hühner sind gesellige Wesen und lieben die Gesellschaft!

Das ist so sicher richtig, aber der Zusammenhang war die Frage nach seiner Einstellung zur Hühnerhaltung gemäß den gesetzlichen Vorgaben.  Hierbei gilt: Auf einem Quadratmeter Stallboden (100 x 100 cm!) erlaubt der Gesetzgeber die Produktion von 42 Kilogramm Fleisch – was etwa 22 bis 23 (!!) Tieren entspricht. Da muss man aber schon sehr „gesellig“ sein, Herr Sonnleitner.

Immer noch behaupten die Industriebauern, sie müssten so „produzieren“ um die Nachfrage in Deutschland zu decken. Tatsache ist, das, nach Aussage des „Kritischen Agrarberichtes 2012“, die deutschen Bauern auf dem Weg zu einer gewaltigen Überproduktion von Geflügelfleisch sind. Bundesweit seien Ställe für bis zu 36 Millionen Hähnchen geplant, schätzt der „Kritische Agrarbericht 2012“. Allein im Landkreis Emsland lägen Anträge für 11 Millionen Mastplätze vor. Um die bundesweite Nachfrage zu stillen, seien jedoch 3,2 Millionen neue Plätze ausreichend. Schon jetzt exportieren wir Hühnchen und Teile davon nach Afrika und entziehen mit unseren konkurrenzlos „günstigen“ Preisen dort den Kleinbauern die Ernährungsgrundlage.

Massentierhaltung zieht – neben dem absolut menschenunwürdigen Verhalten gegen über den Tieren – auch riesige Problem nach sich. Aktuell: Der flächendeckende Einsatz von Antibiotika – laut einer Studie der nordrhein-westfälischen Landesregierung werden bis zu 96 Prozent der Masthähnchen damit behandelt – ist nur eines davon. Aber auch hierzu hat Herr Sonnleitner eine Sonntagsrede in der Schublade: Es sei eine ethische Notwendigkeit (hier hat er also die Ethik entdeckt!),  Tiere, die krank seien, müssten therapiert werden, sagte Sonnleitner. „Alles andere wäre Tierquälerei.“ Und – so warnte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner : „Die Hälfte der Antibiotika, die bei Tieren eingesetzt werden, gehen in die Haustiere – Hund, Katze, Hamster…“.

Danke Herr Sonnleitner, wenn ich das nächste Mal meinen Hamster verspeise, werde ich daran denken…

Und hier zum Abschluss noch ein kleiner Filmbeitrag zum Thema.

Guten Appetit.